Gedichtetes

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In die Donau plumpsen (09.01.2018)
Die Schritte tun, sich nicht ausruhen,
Dem Wasser entgegen, hinein in den Strom.
Nicht dagegen, nicht dafür.
Nur raus, ich such die Notfalltür.
Nur nach Haus, nur wieder spürn.

Die Brücke aus Stein, ein Geländer nicht hoch,
ein Schritt nach oben, ein Blick übern Rand.
Die Strudel, die Wellen, der Fluss schreit nach mir,
ich sehe die Lichter, ich seh meine Quellen, der Lauf des Lebens,
er wirkt auch in mir.

Will atmen, will tanzen, nicht Buße hier tun,
am Busen der Welt, da nähr ich mich nun.
Sauge voll Gier an den Nippeln, wie alle das tun,
habe Angst zu verhungern, warum sind wir so dumm?

Der Lauf der Jahre im Fluss dieser Zeit,
bist jung, nutz die Chancen, die Stimme sie schreit.
Der Fluss schreit nun auch, komm in meinen Schoß,
Tanz auf dem Geländer, von hinten ein Stoß.
Voll Gnade ein Schubser, ich genieße den Fall,
der Fluss tut sich auf, es folgt ein Aufprall,
Doch von Engeln getragen, mit Flügeln am Leib,
sagt mir eine Stimme, noch ist es nicht Zeit.

Im Flusse zergehen, mit den Wellen im Klang,
die Jahre, sie leben,
mein einziger Drang.


Durch die Augenlider (16.01.2018)
Geschlossene Augen, die Münder vereint,
die Zungen sie spielen,
die Liebe im Keim,
die Lust aus den Lenden,
ein Spiel mit dem Reim.

Umgarnen, umschlingen,
im Spiele vereint,
um uns die Gedanken,
in uns flackern die Lichter,
wir sind nicht allein.

Der Abend er wendet,
im Rausche der Nacht,
dein Lachen, mein Packen,
es ist fast vollbracht.

Die Augen geschlossen,
Dunkelheit besiegt,
die Träume, die Lichter,
ein Scheinen durch Vorhang,
die Berührung, dein Atem,
ein endloses Lied.


Ins Bett entführen (31.01.2018)
Ein Grinsen, ein Flüstern,
der Mond lacht uns zu.
Hände ineinander,
der Traum bist nun du.

Die Augen geschlossen,
die Münder vereint,
ein Sehnen, ein Hoffen,
wir sind nicht allein.
Geschwind durch die Straßen,
bald sind wir daheim.

Hinauf in das Stübchen,
die Worte geheim.
Die Kleidung fällt langsam,
Hitze aus dem Leib,
Berührung und Nähe,
heut bist du mein Weib.

Du erwartest mich flehend,
ich dring in dich ein,
dich nie mehr verlassen
für immer vereint.


Ich blase ins Posthorn (20.02.2018)
Ich blase ins Posthorn und ein schriller Ton fliegt über die Wellen.
Die Tauben gurren zwischen den Dächern.
Die Busse tun es ihnen auf den eisigen Straßen gleich.
Kalte Februarluft strömt in das Zimmer.
Es wird gelüftet.
Die Luft noch immer heiß.
Die Umarmung innig.
Das Gefühl, es ist gut.

Ich blase ins Posthorn und höre die Wellen.
Des Kirchturms Glocken läuten ein frohes Lied.
Teufel, Sohn und Tochter tanzen zu dem Beat.
Eine flotte Sohle auf dem Parkett.
Die Tauben gurren, ein Flügelschlag, der Bus fährt los.

Ich blase ins Posthorn und höre einen berstenden Ton.
Er breitet sich aus.
Über die Wellen und über die Stadt.
Niemand schläft, nichts ist stillgelegt.
Wir sind zurück und machen die Tage zur Nacht.

Ich blase ins Posthorn und sehe eine berstende Welt.
Ich blase ins Posthorn und die Nacht brennt lichterloh.


Herbst (16.10.2017)
Die Oktobersonne scheint.
Das Gras ist grün.
Die Bäume noch belaubt.
Goldenes Blätterspiel.

Die Straßen schlüpfrig.
Die Früchte prall zu den Füßen.
Alles bunt.
Und Nebel.
Nebel.


Am Ende (27.06.2016)
Am Ende.
Am Ende nun mit meinen Kräften,
hatte gehofft, gekämpft, verdrängt, gelogen,
glaubte ich sei hoch geflogen,
doch der Absturz kam vom Boden,
hab doch nur mich selbst betrogen.

Mit gebrochnen Flügeln neuen Aufschwung wagen?
Weiter fremde Lasten tragen?
Nützlich sein in dieser Welt?
Oder tun was mir gefällt?

Den Feinden in die Fresse treten?
Leise vor mich hintrompeten?
Die kleinen Leut bisschen verzücken?
Oder die ganze Welt beglücken?

Am Ende.
Am Ende steht ein Typ, der Tod.
Holt alles das was in mir wohnt.
Doch noch kämpf ich den Krieg in Wonne,
geh noch einmal auf, oh Sonne.