Acid in Bavaria (30.04.2020)

Ich durfte im Rahmen der „digitalen Zwischennutzung“ con_taktsperre von con_temporary (die normalerweise Kunstprojekte im Rahmen von richtigen Zwischennutzungen machen) eine Geschichte vorlesen. Meine Geschichte vom ersten Mal LSD.
Also die geschriebene Story ist meine, von mir geschrieben.
Inwiefern das auch tatsächlich meine Geschichte ist, also von mir genau so erlebt, das ließ ich vor dieser Lesung einfach mal offen und so halte ich es jetzt auch. Die 25-jährige Hauptfigur darin erzählt jedenfalls aus der Ich-Perspektive von einer Reise mit der Substanz LSD, da im April 2013. Von einer Reise, die einen großen Einfluss auf ihr weiteres Leben haben sollte…


1. Teil. Vorgeschichte:
Es war 2013, vor ziemlich genau 7 Jahren, 25. April.
Ich hatte eine turbulente Zeit davor erlebt. Die ersten Wochen des Frühlings brachen an und brachten Heilung. Nach einem Jahr Zwangspause konnte ich wieder Fußballspielen. Und da war auch sowas wie ein Liebesglück. Kurz und heftig. Dieses hohe Hoch und tiefe Tief hatte mich selbst und auch mein Weltbild ziemlich zerpflückt. Jetzt war ich da wieder allein, aber ziemlich froh, so unbeschwert mit mir zu sein. Sah voll Zuversicht in die nahenden warmen Monate hinein. Und da sollte eben auch was Besonderes kommen. Diese Substanz, Acid, die Lucy, LSD.

Wie kam ich denn darauf? Nun, neben meiner angeboren Neugier für alles Übersinnliche oder Außerweltliche und der Lektüre einiger Bücher von Carlos Castaneda mit seinen Rauscherfahrungen und tiefen Weisheiten, da fiel mir die Biografie von Steve Jobs in den Schoß. Die Lebensgeschichte des Applegründers. Genauer gesagt ich bekam sie geschenkt, von der Familie, zu Weihnachten. Jedenfalls las ich darin, wie dieser Typ mit seinem Sturkopf und seinem visionären Blick die ganze Welt verändert hat. Und ich las darin, dass er LSD nahm in seinen jungen Jahren und dies für ihn zu den wichtigsten Erfahrungen überhaupt gehörte, da auf seinem Weg. Jedenfalls war ich verdammt neugierig und wollte mal sehen ob da bei mir auch was in diese Richtung geht.
Und ich hatte einen Freund, von dem ich vermutete, dass er da eventuell Zugang dazu haben könnte. Er hatte. Und schicksalshaft kam dann dieser Tag, der erste wirklich warme Frühlingstag, alles blühte und wir waren am Start.

Am Vormittag hatte ich noch Vorlesungen. Als Student der Sozialen Arbeit, wie ich es damals war, hat man da auch mal ganz angenehme Veranstaltungen. Kung Fu stand an dem Tage an. Diese östliche Kampfkunst tat mir und meinem oft verhärteten und übereifrigen Gemüt ziemlich gut. Allgemein und an diesem Tag speziell. Besonders die Meditation am Ende war sehr nice für mein Befinden und sollte auch noch für den weiteren Tagesverlauf von Bedeutung sein.

2. Teil. Die Reise:
Es war früher Nachmittag. Meines Freundes Plan um gut drauf zu sein, sah vor, dass wir gemütlich Pizza essen gingen. Um danach gemächlich auf seinem großen Balkon, der viel mehr das Dach eines mehrstöckigen Hauses war, die Substanz einzunehmen. Also gönnten wir uns draußen in der Sonne erstmal genüsslich eine Pizza und dazu auch noch ein Glässchen Wein. Heute würde ich eher zu veganer Rohkost und Nüchternheit raten vor solchen Erlebnissen, andererseits war es so an dem Tag auch genau richtig. Dieser Lebensgenuss lieferte mir genau die richtige Brücke, um von meinem damaligen Standpunkt in die Welt dieser Mysterien hineinzuspähen. Was ich mir jedenfalls erhoffte.
Dann, ein bisschen später, war es soweit. Wir saßen bei ihm auf dem Balkon, hörten Jimmy Cliff, tranken jeder noch ein Bier und nahmen jeder einen, mit circa 60 Mikrogramm dieser magischen Säure getränkten, Zuckerwürfel ein. Die Wirkung kam so allmählich. Ich merkte, dass sich was veränderte. Wahrnehmungen wurden langsam irgendwie schärfer. Ich hatte ein paar lustige Gedanken. Beschrieb mein Empfinden nach etwa einer Stunde ungefähr so wie nach 2 Bier. Also nicht so besonders geflasht. Was mir jetzt in mehrfacher Hinsicht passend erscheint. Zum einen hatte ich ja ungefähr diesen Alkoholpegel von 2 Bier und durch das LSD wird auch einfach der momentane Zustand verstärkt. Zum Anderen war ich zu dieser Zeit heftige Alkoholrauschnächte gewohnt, was mich so für andere Substanzen und Reize mehr abstumpfte und mir auch einen Vergleich gab, den sich das nun eigenommene Mittel nicht stellen wollte. Das hier haute mich nicht so weg, wie ich es vom Alkohol kannte, das hier kam anders. Da ich mir aber auch etwas „Wegbeamendes“ irgendwie erhoffte, beschlossen wir schon so nach eineinhalb Stunden nachzulegen. Nahmen dann gleich noch so einen Zuckerwürfel ein. Womit wir dann bei 120 Mikrogramm ein jeder waren. Das war dann schon eine recht ordentliche Menge. Aber so von richtiger Magie, wie ich sie mir irgendwie erhoffte, davon spürte ich auch in der Folgezeit recht wenig. Wir quatschten einfach und genossen irgendwie das Gefühl.
Dann ging mein Kumpane mal kurz rein, Pipi machen oder so, ich war ein paar Minuten allein. Und jetzt merkte ich was. Jetzt prasselte da was auf mich ein. Intuitive Gedanken, Einfälle, Erkenntnisse, lustige Sachen, alles kam wundervoll zu mir. Irgendwie hatte ich eine tiefere Connection zu mir selbst anscheinend. Als wir dann bald allerdings wieder zu zweit waren, da war der Zauber auch wieder ziemlich vorbei.
Ich wollte jetzt raus. Ich wollte Bäume und den Fluss sehen, die ohnehin schon magischen Orte dieser Stadt, welche nur wenige Gehminuten entfernt waren, mit den neuen Acid-Augen betrachten. Darüber kamen wir in eine Diskussion. Während der zweite Würfel richtig jetzt zu kicken begann. Die Welt war jetzt anders. Nicht verschwommener, wie ich es vom Saufen gewohnt war, nein, irgendwie klarer, schärfer, aber auch verzerrt, verschobene Formen, alles irgendwie größer, doch kein Kontrollverlust. Viel mehr erkannte ich mich während dieser Diskussion ziemlich tief in meinem Selbst. Ich erkannte in mir selbst so eine tiefe Kraft, die ich wohl schon immer hatte. Eine mir innewohnende Kopf-durch-die-Wand-Sturkopf-Steinbock-Kraft, mit der ich einerseits buchstäblich durch Wände und Mauern gehen kann. Eine Macht, mit welcher ich aber auch viel Schaden bei anderen, aber vor allem bei mir selbst, anrichten kann. Dann, wenn ich sie entweder falsch oder übermäßig einsetze. Aber auch dann, wenn ich sie verleugne oder verberge, einen auf angepasst machen will.
Jetzt in diesem Zustand brachte ich sie jedenfalls in solche Bahnen, die mir zu dem verhalfen, wonach ich mich sehnte. Ich war dann draußen. Konnte frei spazieren und war dann auch für längere Zeit allein. An diesem Punkt gilt ein großer Dank meinem Kumpanen. Welcher (ja selbst auf 120 Mikrogramm Acid) alles noch so managete, dass ich jederzeit wieder ins Haus zurück könne, wenn ich das wollen würde, mir seine Hilfe per Handy anbot, falls ich was brauchen würde und mir noch ein paar weitere hilfreiche Tipps für das Umherstreifen mit auf dem Weg gab.
Zum Beispiel, dass ich mich in diesem Zustand besser streng an die Verkehrsregeln und -signale halten solle, weil man da so drauf alles nicht mehr so richtig einschätzen könne.
Und so stand ich schon bald darauf an einer Ampel und wartete artig auf das grüne Männchen. An einer Ampel, die mir eigentlich bisher für gesunde erwachsene Menschen ziemlich sinnfrei erschien. Nur Lahme, Kinder oder krasse angepasst-ängstliche-Normen-und-Regel-Fetischisten (wie es sie in Deutschland doch ziemlich viele gibt) blieben hier bei niedrigem Verkehrsaufkommen stehen. Und ich jetzt. Hier auf meinen 120 Mikrogramm LSD. Natürlich kam ich mir reichlich seltsam und ziemlich dumm dabei vor, während rechts und links von mir die Menschen einfach über die Straße gingen. Aber ich war ja in diesem Zustand auch nicht mehr wirklich erwachsen, ich war wieder Kind.
Und sah bald wie wunderbar das sein kann, wie wunderbar das wohl damals war. Das sah ich als ich dann rauskam aus den mit Häusern zugebauten Straßen und von einem größeren freien Platz aus den fetten Dom, eines der Wahrzeichen dieser Stadt sah. Da traf mich fast der Schlag. In einem heftig positiven Sinne. Ich war überwältigt von diesem Bauwerk und seiner Ausstrahlung. Dies beschrieb ich mir noch am gleichen Tage so, dass es mir so ähnlich schien, als sei dieser Dom eine fette riesige summende Hummel, wobei dieses Summen tief in all meine Glieder drang, oder so.

Jetzt war es geil. Ich wanderte bald am Fluss entlang. An dessen Ufer, das nach dem römischen Kaiser und Philosophen Marc Aurel benannt ist, der hier auch ein paar Jahre wandelte. Von diesem Ufer, von wo aus man auf die historische Brücke blicken kann und ich das perfekte Ambiente für meinen Trip bekam. Und wo sich jetzt an diesem warmen Frühlingstage doch ziemlich viele Menschen aufhielten. Was meiner Laune aber keinen Abbruch tat. Da war keine Angst irgendwie negativ aufzufallen oder so. Ich war einfach ein leicht berauschter Student in einer Studentenstadt, an diesem hellichten Tag. Vielleicht mag ich nach außen ein bisschen seltsam verträumt gewirkt haben. Solche Gedanken betrübten mich aber in diesem Zustand an diesem Tage nicht. Vielmehr staunte ich über diese sich mir hier bietende Welt. Ich nahm diese wundervolle Szenerie des aufblühenden Frühlings wie in längst vergessenen Kindertagen war. So wie ich es lange schon vergessen hatte, dass ich es jemals konnte. Jetzt war ich wieder da. Überwältigt. Und eines wurde mir dabei klar: Ich habe das alles selbst so gemacht, ich bin es, der diese Welt erschafft. Dieser Tag mit dieser Vorgeschichte, das erste Mal so eine Substanz und nun stand ich da. Zeit für Heilung, lass das Alte wie es war.
Ich ging weiter und die Reise. Ich schlenderte an diesem Ufer entlang. War jetzt mein eigener Philosoph. Setzte mich mal hier hin und mal dorthin. Gute Gedanken, tiefe Einsichten über Gott, mich, mein Leben und diese Welt, alles kam. Und wurde dabei auch von mir in meinen Handynotizen festgehalten. Ich schrieb alles da auf, hier auch diesen Vergleich von Hummel und dem Dom. Während ich da so meine Notizen in das Smartphone, eine Erfindung, die ja dieser verdammte Steve Jobs auf den Weg brachte, tippte (was da im Trip problemlos gelang), schien es, als ob außen herum ein Feuerwerk stattfinden würde, Visionen von flackernden Lichtern, aufplatzenden Leuchtkörpern. Das gefiel mir, da ging was ab mit meinem Brain. Ich merkte dabei auch, wie mir dieses Schreiben generell richtig gut tut, wie dieses Schreiben generell so eine Magie für mich versprüht. Ich konnte und kann dabei alles ins Fließen bringen. Mich an den Worten, die mir dabei mehr eingegeben werden, als dass ich sie erdenke, erfreuen wie an einem Geschenk. Das erkannte ich da. Und Scheiße ja, ich stand zum ersten Mal in meinem Leben wirklich dazu, dass ich ein Schreiber, ein Künstler bin und war und das nicht nur eine heimliche Träumerei sei, womit ich vorm Alltag fliehe und mein Leben vergeude. Hier war ich und ich schrieb, schrieb genau diese Erkenntnis in die Notizen meines Smartphones. Die Welt breitete sich währendessen vor mir aus. So wie ich sie zuvor nur von meinen eigenen digitalen Fotobasteleien kannte. Ich sah hinein in eine diese bunte, nicht mehr ganz wirkliche Welt, wie in eine andere Dimension. Das LSD war mein Schlüssel dazu. Aber zeigte mir auch gleichzeitig auf, dass ich da mit der Kunst, dem Schreiben, den Bildern, selbst so einen Schlüssel in der Hand hielt. Einen Schlüssel mit dem man den Vorhang der sogenannten Realität zur Seite schiebt und ein wenig in den Backstagebereich des Universums schielt. Und während ich diese Zeilen hier schreibe denke ich an das fuckin´Wappen dieser Stadt. Eben zwei beschissene gekreuzte Schlüssel. Die des Petrus, der damit das Tor zum Himmel oder so bewacht. Zur Krönung sehen die Schlüsselbärte (so heißt der untere Teil des Schlüssels wohl) auch noch wie die Zahl 25 aus. 25 was sowohl mein damaliges Alter, als auch die Zahlenbezeichnung hinter dieser, nun vo mir genommenen, chemischen Substanz, LSD-25, war. Alter. Aber ich schweife ab…
Das war jetzt irgendwie ein großer Tag. Und dieser wich langsam der Nacht. Die Einnahme der Würfel lag jetzt schon mehrere Stunden zurück. Ich sah in einen magischen Abend hinein. Von dieser magischen alten Flussbrücke hinab. Der Mond zeigte sich. Stand knapp über dem Horizont. In seiner vollsten Pracht. Vollmond. Wieder so, als wäre das als Geschenk für mich (und von mir) gemacht. Ich genieße und genese. Es fallen Tonnen von alten Lasten in diesen Stunden von mir ab. Was bisher war, das trage ich zu Grab. Und erkenne mich selbst neu, irgendwie nah an meinem Kern. Scheiße, ich hab mich selbst heut gern.

Dann bekam ich Durst. Noch ein Bierchen sollte es sein. Dafür suchte ich einen Dönerladen in der Nähe auf. Ging rein und stand da erstmal drin. Einfach so. Schaute mich um so wie ein Kind. Keine Ahnung wie lang. Jedenfalls solange bis der freundliche Dönermann mich aus meinen Träumerein riss und fragte, was ich denn wolle. Ein Bier mein Herr, das darf es sein! Brachte ich irgendwie in anderen Worten zum Ausdruck. Und das mit dem Bezahlen und so, das klappte ganz gut. Sodass ich danach mit einer Flasche Bier in der nun gänzlich hereingebrochenen Nacht umherwandern konnte. Das taugte mir. Ich setzte mich damit dann auf eine etwas ruhiger gelegene Bank, an einem ruhigeren Flussufer. Und saß da unter Bäumen. Durch deren von bald aufgehenden Knospen gespickten Astwerk sah ich in den vollen Mond, welcher sich dahinter platziert hatte. Ich war glücklich, mit mir und der Welt. Mir kam etwas in den Sinn: Meditieren. Dazu war ich vom KungFu am Vormittag auch gut inspiriert. Mein Blick blieb dabei bei diesem fetten Mond. Ich lies mich von seinem Licht und den davor aufgestreckten Ästen hypnotisieren. Hielt meine Gedanken an. Das war viel mehr ein Geschehen lassen, als irgendwas zu forcieren, es floss einfach alles zusammen. Dann geschah was. Ich wurde eingesaugt oder ich saugte die Welt ein. Ich kämpfte nicht mehr, kämpfte in meinem alkoholgeschwängerten Leichtsinn und auf der pfortenöffnenden Wirkung des LSDs nicht mehr dagegen an. Die Welt um mich, mein Ich, mein Ego, alles was ich dachte es wäre mein Selbst, es brach zusammen. Ohne Krachen, ohne Leid. Es zerfloss, löste sich auf. Zu einem Bild der nun zu Spiralen gedrehten Äste und Knospen vor diesem Silberlicht, dann hinein in ein vom Verstand nicht für möglich gehaltenes Nichts. Oder ein Alles. Jedenfalls waren mein zuvor gekanntes Ich und die alte Welt nicht mehr da. Doch irgendwas nahm das Ganze noch wahr. Irgendein innerer Kern der verblieb mir, als da eigentlich nichts mehr war, in dieser anderen Dimension oder wo es mich da auch immer hinverschlang. Für ein paar Sekunden, ein paar Sekunden Ewigkeit, war ich nur noch göttlicher Funke, selbst die Ewigkeit, selbst Liebe, selbst Dank.

Dann wollte ich zurück. Versuchte zurückkehren, setzte intuitiv meine Gedanken wieder ein, baute damit willentlich die altgekannte Welt, die scheinbare Realität wieder auf. Zu meiner Freude sah sie sogar so wie zuvor gewohnt aus, zumindest so ungefähr. Ich blieb nicht hängen, in den anderen Sphären. Mein Steinbocksturkopf war noch da, nach vollständiger Zerstörung willentlich wieder neu erbaut.
Ich war zurück. Zumindest so, wie man nach so einer Erfahrung wieder zurück sein kann. Anders als zuvor. Ich hatte in Reiche geblickt zu denen scheinbar sowas wie der Tod der Zugang ist. Streiche dieses „sowas wie“, wenn du willst. Und der einzige der die alte wohlbekannte Welt aufbaut und zusammenhält, shit, das war ich selbst…
Und ich erfreute mich daran. Ich spürte eine riesige Befreiung, Glückseligkeit, ein Freudenfeuerwerk. Genoss diese Erkenntnisse, die selbst erlebte Möglichkeit einer anderen Welt, aber auch ganz einfach das Hier und Jetzt. Alter, ich war ein Mensch. Spielte mit der Schöpfung, fokussierte mich auf diese Materie, mein altgekanntes Fußballer-Ich, genoss meine Unversehrtheit, den gesunden Körper, sprang in die Luft und lachte wie ein Kind.
Dann ging ich gemächlich weiter. Mit der Bierflasche wieder in der Hand. Nahm noch einen Schluck. Sie rutschte mir ab. Sie landete kurz auf dem Boden. Sie begoss mich ein bisschen mit ihrem Saft. Scheiße, da stand ich nun. Erleuchtet wie ein Buddha und mit Bier besudelt wie ein Trunkenbold, die Metapher dieser Nacht. Stand da wie ein Trunkenbold, der ich zu dieser Zeit auch noch war. Zumindest bis zu diesem Tag. Denn mit der Unterstützung, die mir dieser liebe Alkohol an diesem Tage gab, hatte er anscheinend sein größtes Werk für mich getan. Und lies seitdem von mir mit seiner suchterzeugenden, vereinnahmenden Wirkung ziemlich ab. Nur ab und zu nahm ich ihn noch danach, so wie einen alten Freund, in den Arm.

3. Teil. Der Ausklang:
Diese Besudelung mit dem Bier war für mich aber auch ein Signal. Ein Zeichen dafür mal wieder zurückzukehren in die Bude, den anderen wiedersehen, mich mit ihm Austauschen, zurücklehnen und so.
Mein Freund hatte mich zwischendurch auch mal angerufen, gefragt ob alles passe. Ja es passte alles. Alles passte an diesem Tag und in dieser Nacht perfekt zusammen. Vielleicht ist es immer so und fällt uns nur nicht auf. Fällt uns nicht auf, weil wir zuviel Hadern mit uns und mit der Welt. Anstatt einfach alles anzunehmen, zu akzeptieren und fließen zu lassen, voll kindlicher Neugier dieses Wunder erfassen. Der Wahrheit ins Gesicht sehen und alles neu erschaffen..

Selbst irgendwie neu erschaffen kehrte ich dann mit einer großen Ladung Dankbarkeit im Gepäck in die Wohnung zum Kumpanen zurück. Diese Dankbarkeit teilten wir beiden, im gerade ausklingenden Trip, uns dort dann auch gegenseitig mit. Scheinbar hatte es auch bei ihm an diesem Tage irgendeinen Nerv getroffen, wir beide waren vom, Glück und so, ein bisschen besoffen…

Jetzt war es tiefe Nacht. Die Reise näherte sich ihrem Ende. Keinem Ziel. Doch irgendwas war vollbracht.
Und ich machte mich auf.
Fuhr mit einem Taxi zu meiner Bude, über die Grenzen der Stadt hinaus.
Dort wurden noch ein paar wache Stunden verbracht.
Bis zum Sonnenaufgang.
In der Nacht brach eine alte Welt zusammen,
ein neuer Morgen, der brach an…